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Hormonstörende Stoffe

Hormonstörende Stoffe - auch Hormongifte, endokrine Disruptoren, englisch Endocrine Disrupting Chemicals (EDC) genannt - sind giftig, denn sie greifen in das Hormonsystem des Menschen ein und schädigen Stoffwechsel-, Entwicklungs- und Fortpflanzungsprozesse.

 

1. Was sind Hormone?

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die von speziellen Zellen produziert werden und an anderen Zellen besondere Wirkungen oder Regulationsfunktionen entfalten. Das geschieht dadurch, dass die Hormone an Rezeptoren der Ziel-Zellen andocken und dadurch die biochemischen Vorgänge innerhalb der Zelle beeinflussen und verändern.

Hormone wirken auf alle Systeme des Körpers ein, z.B. das Nerven- und das Immunsystem, und beeinflussen die Antwort des Körpers auf Stress oder Verletzung. Die Bildung von Hormonen wird beeinflusst

  • durch Regelkreise (s. Beispiel im Bild unten),
  • durch das autonome Nervensystem oder
  • durch nichthormonelle Botenstoffe, z.B. Kalzium oder Glukose.
hier sollte in einem Bild gezeigt werden, wie Hormone in einem Regelkreis produziert werden Quelle: Wikipedia

Beispiele für Hormone: Adrenalin, Cortison, Östrogen, Progesteron, Ghrelin, Leptin, Wachstumshormone, Insulin, Melatonin, Testosteron. Die Lehre von den Hormonen wird als Endokrinologie bezeichnet. Anhand ihrer Wirkungsschwerpunkte werden Hormone von Zytokinen und von Neurotransmittern abgegrenzt. Zytokine regulieren Wachstum, Proliferation und Differenzierung von Zellen. Neurotransmitter werden von Nervenzellen über den synaptischen Spalt abgegeben, um Signale von einer Nervenzelle zur nächsten zu übertragen.

 

2. Was sind Hormonstörer?

Störung (Schädigung) der Hormone bedeutet:
  • die Hormonproduktion des Körpers wird verändert und die Hormon-Werte sind deshalb zu hoch oder zu niedrig,
  • die körpereigenen Hormone stehen nicht in ausreichender Menge für biologische Prozesse zur Verfügung;
  • die hormon-ähnlichen Chemikalien docken an Hormon-Rezeptoren an; dadurch werden die körpereigenen Hormone blockiert oder nachgeahmt;
  • die hormonelle Funktion geht verloren;
  • die hormonellen Veränderungen treten ggf. ab Geburt ein und können bis zum Lebensende wirksam sein.

 

3. Toxikologie

In der klassischen Toxikologie glaubt man an einen linearen Zusammenhang zwischen Gift-Dosis und Gift-Wirkung. Bei der Beschäftigung mit Umweltgiften wird allerdings immer häufiger eine Nichtlinearität festgestellt, normalerweise mit dem Zusatz, dass dies noch genauer zu erforschen sei. Hormonstörer wirken selbstverständlich nichtlinear: wenn alle Rezeptoren an den Zellen besetzt sind, dann ist eine Steigerung der hormonellen Wirkung nicht mehr möglich. Allerdings können dann noch weitere toxische Effekte entstehen.

Häufig wird ein Summationseffekt (oder Coctail-Effekt) beobachtet: beim Einwirken mehrerer Hormonstörer tritt die Wirkung ein, auch wenn der einzelne Hormonstörer unterhalb seiner Wirkungsschwelle bleibt.

Wichtig für die Giftwirkung ist auch der Zeitpunkt der Gifteinwirkung. Besonders kritisch ist die Entwicklungsphase des Menschen, also der Zeitraum von vor/nach der Geburt bis zum Ende der Kindheit.

Auch bei Stoffwechselstörungen können Hormonstörer beteiligt sein.

 

4. Fehlendes Wissen

Gemessen an der Vielfalt der möglichen gesundheitlichen Schäden fehlt es an Wissen und Informationen, was sich wenigsens teilweise durch Ignoranz gegenüber dem Stand der Wissenschaft erklären lässt:
  • Die Dosis-Wirkungs-Beziehungen und ihre Nichtlinearität werden zu wenig untersucht und kaum verstanden.
  • Die gebräuchlichen Chemikalien werden nicht systematisch auf hormonstörende Effekte untersucht.
  • Es gibt es kaum diagnostische Methoden, um bei einem gesundheitlichen Schaden die hormonelle Fehlfunktion und den Hormonstörer als Ursache zu ermitteln. Die Ursache gesundheitlicher Schäden, die durch Chemikalien vor (in der Gebärmutter) oder nach der Geburt (postnatal) entstehen, wird allenfalls in der Wissenschaft, nicht in der Schulmedizin untersucht.
  • Es gibt keine therapeutische Methoden, die auf die Ursache, d.h. den Hormonstörer, zielen, d.h. es gibt keine Methoden, um den Körper von Hormonstörern zu entgiften oder die Gift-Aufnahme zu verringern.
  • Die naturwissenschaftliche Untersuchung der Giftwirkung kann nur an menschlichen Zellen (in vitro, im Labor) oder an lebenden Tieren, aus ethischen Gründen jedoch nicht an Menschen durchgeführt werden. Die ethische Rechtfertigung für Tierversuche wird zunehmend bezweifelt.
  • Wurde die Hormonstörung nur in vitro oder im Tierversuch gefunden, aber für den Menschen nicht statistisch nachgewiesen, dann gilt die gesundheitliche Gefahr als nur theoretisch, wird also von Gesundheitsbehörden und Gift-Herstellern ignoriert. Die Übertragbarkeit der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Menschen wird bezweifelt.

Trotz des fehlenden Wissens und trotz (oder wegen) der Ignoranz gegenüber vorhandenem Wissen werden die hormonstörenden Chemikalien massenhaft eingesetzt.

5. Die gefährlichsten Hormonstörer

5.1 Pestizide, Insektizide, Herbizide

 

5.1.1 DEET, Organophosphate

 

5.1.2 Pyrethroide

Allgemeines
Pyrethroide sind synthetische, lipophile Insektizide. Sie werden in Wohnungen (z.B. in Teppichen, zur Imprägnierung von Malaria-Netzen und gegen Läuse), an Haustieren (z.B. gegen Hundeflöhe) und im Freien (als Pestizide und Holzschutzmittel) eingesetzt.

Biologische Wirkung
Pyrethroide, z.B. Allethrin, Cypermethrin und Permethrin, sind Kontaktgifte, die die spannungsabhängigen Natriumkanäle in den Nervenmembranen irreversibel blockieren, so dass sie vom offenen Zustand aus nicht wieder geschlossen werden können. Na+-Ionen strömen ungehindert in das Zellinnere und es kommt zu unkontrollierbaren Nervenimpulsen. Dies führt zunächst zu Erregungszuständen mit Krämpfen, dann zu Koordinationsstörungen und schließlich zu einer spastischen Lähmung (Paralyse). Der schnelle immobilisierende Effekt tritt noch vor dem Tod ein und wird als knockdown bezeichnet. Pyrethroide wirken in der Regel sehr schnell gegen fast alle Insekten.

Giftbelastung
Pyrethroide finden sich als Rückstände in Milch, Babynahrung und Gemüse. Vom Menschen werden sie vorwiegend durch Atmung aufgenommen und im Fettgewebe gespeichert. Bei Einwirkung von UV-Strahlung bzw. Sonnenlicht wird das Gift abgebaut.

Wirkungen und Symptome am Menschen

  • Nervensystem: Es gibt Hinweise aus Tierversuchen, dass Pyrethroide bei wiederholter Exposition zu einem Absterben der Neuronen führen. Symptome: Ataxie, erhöhte Erregbarkeit, unwillkürliche Bewegungen, Speichelfluss, Tremor, Krämpfe.
  • Hormonsystem: Schädigung der männlichen Sexualentwicklung mit der Folge von vorzeitiger Pubertät; Blockade von Schilddrüsenhormonen. In hohen Konzentrationen können Pyrethroide wie Östrogene wirken.
  • Immunsystem: Permethrin verursacht Krebs (ist carcinogen).

Nachweis:
Kurz nach der Belastung kann dies im Urin über das Stoffwechselprodukt 3-Phenoxy-benzoesäure (3-PBA) nachgewiesen werden.

Weitere Informationen zu Pyrethroiden

 

5.1.3 Atrazin

Atrazin, ein Pflanzengift, verwandelt männliche Frösche in weibliche bzw. in Zwitter. Es verändert die Hormon-Produktion: es steigert die Produktion des Stresshormons Cortisol, schädigt die Prostata, senkt die Testosteron-Produktion, stimuliert die Östrogen-Produktion und begünstigt dadurch Brustkrebs. Das Gift ist seit 1959 im Einsatz, in der EU-Landwirtschaft verboten, aber in USA und vielen anderen Ländern erlaubt.

 

5.1.4 Paraquat

Paraquat ist eines der giftigsten Herbizide (Pflanzengifte), das zu vielen Gesundheitsschäden und Todesfällen unter Arbeitern und Bauern geführt hat - schon ein Schluck kann tödlich sein; der Kontakt mit der Haut oder das Einatmen kann zu Krampfanfällen, Herzversagen und Lungenvernarbung führen. In der EU und in der Schweiz ist es daher seit langem verboten; importierte Lebensmittel, auch angeblich besonders gesunde (z.B. Chia-Samen), werden aber nicht auf Paraquat getestet. Der Agro-Konzern Syngenta verkauft das Pestizid weiterhin in vielen Ländern. Gesundheitsschädigende Wirkungen:

  • Hormonstörung: Verringerung von Testosteron, des Follikel-stimulierenden Hormons, des luteinisierenden Hormons, von Prolaktin und von Schilddrüsenhormonen.
  • Neurotoxizität: Paraquat schädigt das zentrale Nervensystem, es verursacht Krampfanfälle und Parkinson.
  • Paraquat schädigt die Haut und erleichtert dadurch das Eindringen in den Körper; es schädigt die Lungen, die Augen, das Herz (Herzversagen), die Nieren, die Nebennieren, die Leber, Muskeln und die Milz und kann Multiorganversagen hervorrufen.

Studien und weitere Informationen

 

5.2 Hygiene, Körperpflege, Kosmetik

In Waschmitteln und Kosmetika spielen Konservierungs- und Desinfektionsstoffe eine wichtige Rolle und schaden der Gesundheit. Konservierungsstoffe sind in flüssigen Waschmitteln notwendig, nicht in festen Seifen und Shampoos. Natur-Kosmetik enthält generell weniger Konservierungsstoffe.

Siehe auch

 

5.2.1 Triphenylphosphat (TPHP)

Allgemeines
TPHP ist ein häufiger Bestandteil von Nagellack, auch als Ersatz für Phthalate, die wegen ihrer hormonschädigenden Wirkung nicht mehr verwendet werden. Aber auch TPHP ist ein Hormonstörer. Es wird auch bei der Plastikherstellung und als Flammschutzmittel verwendet.

Wirkung, Symptome
  • Schäden im Bereich der Fortpflanzung und der körperlichen Entwicklung vor und nach der Geburt;
  • Gewichtszunahme, Fettleibigkeit (Adipositas).

Diagnostik
Die Belastung durch TPHP wird gemessen über dessen Stoffwechselprodukt Diphenylphosphat (DPHP)

Weitere Informationen und Studien

 

5.2.2 Polysorbat 80

Allgemeines
Polysorbat 80 ist ein oberflächenaktiver und emulgierender Stoff. Er wird beispielsweise in industriell hergestellten Lebensmitteln, in Kosmetika und in vielen Arzneimitteln wie Nasensprays, Tabletten, Impfstoffen und anderen Injektionslösungen verwendet.

Wirkung, Symptome
Polysorbat 80 verursacht Entzündungen, Fettleibigkeit und das metabolische Syndrom, Colitis und schädigt die Darmflora (Tierversuch).

 

5.2.3 Östrogene
Synthetische Östrogene (Xenoestrogene) und Progesterone sind in
  • der Pille zur Empfängnisverhütung,
  • Tampons und Damenbinden

enthalten. Die Xenoestrogene sind Chemikalien synthetischer oder natürlicher Herkunft, die entweder wie körpereigene Hormone (agonistisch) wirken oder deren Wirkung abschwächen (antagonistisch). Xenoestrogene wurden für das Absinken der Spermienzahl beim Menschen verantwortlich gemacht. Auch Reproduktions- und Entwicklungsstörungen, Brust- und Hodenkrebs sowie krankhafte Fettleibigkeit werden mit ihnen in Verbindung gebracht. (aus spektrum.de)

In Babynahrung aus Soja sind Östrogen-artige Bestandteile enthalten, die den Hormonhaushalt der Kinder ungünstig beeinflussen.

Wird eine Hormontherapie erwogen, etwa bei Frauen in und nach den Wechseljahren (Menopause), dann sollten Östrogene aus pflanzlicher Herkunft gegenüber synthetischen Östrogenen bevorzugt werden, da sie weniger Nebenwirkungen haben.

 

5.2.4 Sonnenschutzmittel

In Sonnenschutzmitteln werden häufig hormonstörende Stoffe mit östrogener Wirkung eingesetzt: Oxybenzon, Octinoxat, Homosalat, Octisalat, Octocrylen und Avobenzon und 4-Methylbenzylidencampher (4-MBC). Die Substanzen bleiben nicht auf der Haut, sondern werden resorbiert, wandern in den Körper und verbleiben dort für lange Zeit. Avobenzon wird in gechlortem Wasser zu toxischen und hormonschädigenden Substanzen zersetzt. Schmieren Sie nichts auf die Haut, was Sie keinesfalls essen würden! Weniger giftige Sonnenschutzmittel arbeiten mit mineralischen Substanzen, die Titan- und Zinkverbindungen und möglichst keine Nanopartikel enthalten. Nanopartikel sind kleiner als 100 Nanometer (= 0,1 µm) und können tief in die Haut und den Blutkreislauf eindringen.

Zweck der Sonnnenschutzmittel ist die Blockade von UV-Strahlen, damit sie nicht die Haut schädigen und kein Hautkrebs entsteht. Allerdings gibt es bisher keinen Nachweis, dass durch die Anwendung von Sonnenschutzmitteln weniger Hautkrebs entsteht. Andererseits muss mit einer mehrfachen Schadenswirkung gerechnet werden: die Hormonschädigung, der Vitamin-D-Mangel und die Produktion von freien Radikalen in der oberen Hautschicht. Deshalb ist eher mit einer höheren Krankheitsneigung zu rechnen, auch mit mehr Hautkrebs.

Die Haut kann vor dem zu starken Einfluss der Sonne mit Antioxidantien geschützt werden. Geeignet sind: Wassermelone, Tomaten, Guava, Blaubeeren, Karotten, Grünblatt-Gemüse (Spinat, Kopfsalat, Grünkohl), grüner Tee, schwefelreiches Gemüse (Brokkoli, Blumenkohl, Weißkohl), fetter Fisch (Lachs, Thunfisch, Hering), Nüsse und Samen.

Vitamin D wird im Körper auf natürliche Weise mit UV-Strahlung gebildet. Infos und Empfehlungen zu Vitamin D finden Sie hier.

Weitere Informationen und Studien zu Sonnenschutzmitteln

 

5.2.4.1 Oxybenzon (Benzophenone-3)
  • truthinaging.com: Oxybenzone (= Benzophenone-3)

    Oxybenzon stabilisiert die Bestandteile von Kosmetika gegenüber Lichteinwirkung. Es steckt in Sonnenschutzmitteln, Nagellack, Lotionen und Lippenstift. Es dringt in die Haut ein, verstärkt oxidativen Stress, greift die DNA an und verursacht Hautkrebs. Wegen seiner Östrogen-Ähnlichkeit kann es Brustkrebs verursachen. Es kann auch Kontaktekzeme und Allergien verursachen.

  • haut.de: Benzophenone-3 (= Oxybenzon; 2-Hydroxy-4-methoxybenzophenon)

 

5.2.4.2 Avobenzon

 

5.2.4.3 Benzol

Benzol ist ein wasserfester Sonnenschutz, der schnell in die Haut einzieht und in der obersten Hautschicht einen chemischen Schutz gegen die auftreffende UV-Strahlung bildet.

Allerdings: Benzol ist krebserregend.

 

5.2.4.4 Hautschutz durch Antioxidantien

Die Haut kann von innen heraus vor UV-Schäden geschützt werden. Wissenschaftler haben mehrere Nährstoffe identifiziert, die eine UV-schützende Wirkung haben und das Risiko für Sonnenbrand und damit verbundene Hautschäden verringern. Astaxanthin, Lycopin, Beta-Carotin, die Vitamine D und E sowie Epigallocatechingallat (EGCG) tragen nachweislich zum Schutz der Haut vor Sonnenschäden bei.

Astaxanthin trägt speziell zum Schutz vor dem UV-induzierten Zelltod bei. Im Gegensatz zu aktuellen Sonnenschutzmitteln blockiert Astaxanthin die UV-Strahlen nicht wirklich, d. h. es verhindert nicht die Umwandlung von UVB in Vitamin D in der Haut; es schützt die Haut lediglich vor Schäden. Lycopin (in Tomaten) wirkt ebenfalls als innerer Sonnenschutz, obwohl es nicht annähernd so schützend ist wie Astaxanthin. Eine Studie aus dem Jahr 2001 ergab, dass Tomatenmark hellhäutige Menschen schützt, die eher zu Verbrennungen als zur Bräunung neigen. Vitamin E absorbiert die Energie des UV-Lichts und spielt somit eine wichtige Rolle beim Lichtschutz, indem es UV-bedingte Schäden durch freie Radikale an der Haut verhindert.

 

5.2.5 Triclosan

Triclosan ist ein polychloriertes Phenoxyphenol. Wegen seiner desinfizierenden, bioziden Wirkung wird es in Medizin und Haushalt seit über 40 Jahren eingesetzt. Durch die Einwirkung von Sonnenstrahlung, Ozon, Chlor und Mikroorganismen entstehen Dioxine, die in Abwasser, Kläranlagen und Oberflächenwasser gelangen.

Giftbelastung
Triclosan wird eingesetzt

  • in höheren Konzentrationen als Desinfektionsmittel in Arzt-, Zahnarztpraxen und Kliniken,
  • zur Therapie der Neurodermitis,
  • in Kosmetika, Zahnpasta, Deodorants, Seifen, Haushaltsreinigern und Waschmitteln,
  • zur Präparierung von Textilien und Schuhen.

Wirkung, Symptome
Triclosan wird über die Haut resorbiert, im Fettgewebe angereichert und gelangt auch in das Nabelschnurblut von Schwangeren. Folgende Wirkungen wurden beobachtet:

  • Die Resistenz von Bakterien, die eigentlich abgetötet werden sollen, wird gegenüber Triclosan und gegenüber Antibiotika, etwa Chinolone, erhöht. Triclosan bewirkt also das Gegenteil dessen, was es eigentlich bewirken soll.
  • Bildung von Lebertumoren.
  • Triclosan schädigt weibliche (Östrogene) und männliche (Testosteron) Sexualhormone und vermindert die Fruchtbarkeit von Frauen.
  • Schwangerschaft: es entstehen Komplikationen in der Östrogenversorgung des Fötus und somit Schäden für das entstehende Kind und es kommt ggf. zu einer Fehlgeburt.
  • Schädigung der Darmflora und der Schilddrüse.
  • Schädigung von Muskeln, z.B. des Herzmuskels.

Empfehlung
Verwenden Sie keine Reinigungsmittel, Seifen und Kosmetika, die antibakterielle Stoffe oder Desinfektionsmittel enthalten! Bakterien sind nicht so schlimm, wie viele denken.

Weitere Informationen zu Triclosan

 

5.2.6 Parabene

Herkunft, Zweck
Parabene werden als Konservierungsstoff in Körperpflegeprodukten - Shampoos, Seifen, Hand-Desinfektionsmittel, Makeups, Lotionen, Rasur-Hilfsmittel und Gleitmittel - eingesetzt, um das Wachstum von Mikroben zu begrenzen. Wegen ihrer Giftigkeit sind Propylparaben und Butylparaben in Babyprodukten, die zur Hautpflege im Windelbereich, wie Wundschutzcremes, eingesetzt werden, seit 2015 verboten. Das Verbot gilt für alle Windel-Kosmetika für Kinder unter drei Jahren.

Einwirkung auf den Menschen
Parabene werden durch die Haut absorbiert und gelangen direkt in die Blutbahn, über die Nabelschnur auch zum Fötus.

Wirkung, Symptome
Viele Parabene besitzen eine östrogene Wirkung - das heißt sie wirken ähnlich wie weibliche Sexualhormone. Propyl- und Butylparaben haben zudem eine anti-androgene Wirkung: sie können die Wirkung des männlichen Sexualhormons Androgen hemmen. Einige Parabene können bereits in geringen Mengen das Fortpflanzungssystem schädigen.

Nachdem Parabene in Verruf geraten waren, wurden Ersatzstoffe gefunden, die leider Allergien verursachen können: Methylisothiazolinon (MI) und Phenoxyethanol.

Parabene stören wichtige Entwicklungsprozesse, die in ganz bestimmten Zeitfenstern des Wachstums ablaufen. Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende reagieren darauf besonders empfindlich. Parabene werden mit folgenden Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht:

  • Sexualität: verfrühte Pubertät bei Mädchen, Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Reduktion der Spermienzahl;
  • Immunsystem: Brustkrebs, Schilddrüsenkrebs,
  • Nervensystem: Störungen der Nervenentwicklung;
  • Stoffwechsel: Fettleibigkeit bei den Nachkommen Parabene-belasteter Mütter.

Empfehlung

  • Antibakterielle Zusätze in Körperpflegeprodukten sind generell überflüssig. Verwenden Sie Naturkosmetik bzw. Bio-Kosmetik, also Produkte auf pflanzlicher Basis ohne synthetische Gifte.
  • Mit Ingwer konnten in vitro schädliche Wirkungen der Parabene reduziert werden.
  • Vermeiden Sie auch Triclosan, Triclocarban (TCC), Phthalate (incl. Dibutylphthalat (DBP), Diethylhexylphthalat (DEHP)), Toluol (auch Methylbenzol), Xylol, Kampfer, Formaldehyd, Formaldehydharz, Ethyltosylamide, Triphenylphosphat, Kolophonium, halogenorganische Verbindungen, Silikon, Duftstoffe und Oxybenzon ‒ hormonstörende Stoffe, die ebenfalls in der Körperpflege eingesetzt werden!

Weitere Informationen und Studien zu Parabenen

 

5.3 Flammschutzmittel, PBB

Herkunft, Zweck
Flammschutzmittel, u.a. Polyurethan-Schaum, polybromierte Biphenyle (PBB) und polybromierte Diphenylether (PBDE), finden sich in vielen Gebrauchsgegenständen, z.B. in elektronischen Baugruppen, Kleidung, Matratzen und Kissen, damit sie sich nicht entzünden. Es ist fraglich, ob dieses Ziel bei den üblichen Konzentrationen wirklich erreicht wird.

Einwirkung auf den Menschen
Flammschutzmittel werden über die Atemluft aufgenommen und ins Blut abgegeben.

Wirkung, Symptome

  • Hormonstörungen: vorzeitiger Beginn der Regelblutung bei Mädchen, Unfruchtbarkeit;
  • neurologisch: ADHD, geringerer IQ
  • Schilddrüsen-Krebs.

Therapie
Flammschutzmittel werden gut mit dem Schweiß ausgeschieden, kaum mit dem Urin. Schwitzen, z.B. in der Sauna, ist gesund!

Grenzwert PBB gelten gemäß RoHS-Verordnung der EU wegen ihrer Giftigkeit als eingeschränkte Substanz (restricted substance).
Seit 2006 dürfen Elektro- und Elektronikgeräte max. 0,1 Gewichtsprozent PBB je homogenem Werkstoff enthalten.

Empfehlung
Nehmen Sie nur Produkte ohne Flammschutzmittel. Sie sind giftig und überflüssig.

Weitere Informationen und Studien

 

5.4 Dioxine

Dioxine, genauer die Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und Dibenzofurane (PCDF), entstehen als Nebenprodukte vor allem bei Verbrennungsprozessen (z.B. Müll- und Altölverbrennung, Waldbrände) und bei der Pestizid-Herstellung. Sie haften an Staubpartikeln und verbreiten sich auf diese Weise in der Umwelt.

Giftbelastung
Dioxine werden gefunden in

  • Lebensmitteln: Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier;
  • Sanitärprodukten: Damenbinden und Tampons, von wo aus das Gift schnell in den Blutkreislauf gelangt.

Wirkung, Symptome
Dioxine sind sehr langlebige, fettlösliche Verbindungen, die sich im Fettgewebe von Tieren und Menschen anreichern und nur sehr langsam abgebaut werden. Als chronische Wirkungen von Dioxinen wurden bei Tierversuchen Störungen der Reproduktionsfunktionen, des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushalts beobachtet. Bei einigen Dioxinen geht man davon aus, dass sie das Risiko, an Krebs zu erkranken, erhöhen.

Grenzwert
Für die chronische, tägliche Belastung mit Dioxin gibt es keinen sicheren Grenzwert.

Empfehlung
Besonders Produkte, die mit Schleimhaut und Blut in Berührung kommen, sollten nicht dioxinbelastet sein.

 

5.5 Weitere Hormonstörer

 

6. Gesundheitsschäden durch hormonstörende Stoffe

Welche Bereiche werden von Hormonstörern geschädigt?

Angeborene Fehlbildungen und andere Gesundheitsschäden

 

 

6.1 Sexualität

Es geht um die Fortpflanzungsfähigkeit beider Geschlechter und um die Funktion der Sexualorgane:

  • Störung der natürlichen Sexualhormone ‒ Östrogene, Progesteron, Testosteron und weitere Androgene. In der Folge kann auch die Ausprägung primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale ‒ z.B. Wachstum von Haaren, der Brust usw. ‒ gestört bzw. geschlechtsuntypisch sein.
  • Unfruchtbarkeit
    In der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) werden Hormone gebildet, die auf die Fruchtbarkeit beider Geschlechter einen großen Einfluss haben. Schäden bis hin zur Unfruchtbarkeit können durch chronische Giftbelastung, aber auch durch psychische Belastungen, z.B. Stress, verursacht werden.
  • Gestörte Sexualentwicklung des Fötus und in der Folge des Kindes.

Idealerweise gibt es bei einem neugeborenen Kind eine Übereinstimmung zwischen den geschlechtsbestimmenden Chromosomen (XX bei Mädchen, XY bei Jungen), der Produktion der Sexualhormone und der Ausprägung bzw. Entstehung der Sexualorgane.

 

6.1.1 weibliche Sexualität
Es geht um Pubertät, Menstruation, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Entbindung und Stillen und um folgende Gesundheitsschäden:

 

6.1.2 männliche Sexualität

Folgende Schäden treten auf:

  • Schädigung der männlichen Geschlechtsorgane, -merkmale und der Spermien
    • Fehlentwicklung der Hoden,
    • Hemmung der Samenreife,
    • verminderte Beweglichkeit der Spermien (Asthenozoospermie),
    • verminderte Anzahl und Konzentration der Spermien.

    Die Schädigung der männlichen Fortpflanzungsfähigkeit findet mit einem alarmierenden Tempo statt: 1 % pro Jahr.

    Studien und weitere Infos:

    • E. Carlsen, A. Giwercman, N. Keiding, and N. E. Skakkebaek:
      Evidence for decreasing quality of semen during past 50 years, auch hier (12.9.1992)

      Kritik von A. Lerchl und Stellungnahme der Autoren

      Aus Daten der letzten 50 Jahre ergibt einen Rückgang der mittleren Spermienzahl von 113 auf 66 x 106 Spermien pro ml und des Samenvolumens von 3,4 auf 2,75 ml. Letzteres deutet auf einen noch stärkeren Rückgang der Spermienproduktion hin. In derselben Zeit nahmen Schäden wie Hodenkrebs, Kryptorchismus (Hoden liegt außerhalb des Hodensacks), Hypospadie (Fehlbildungen im Bereich von Urethralfalten, Harnröhre und Penis) und bei den männlichen Keimdrüsen zu.

    • Frances Orton, Erika Rosivatz, Martin Scholze and Andreas Kortenkamp:
      Widely Used Pesticides with Previously Unknown Endocrine Activity Revealed as in Vitro Antiandrogens (6.2011);
      dazu Zeitungsartikel: Pesticides May Block Male Hormones

      30 von 37 getesteten Pestiziden blockierten männliche Hormone oder ahmten sie nach. Die meisten sind Fungizide.

    • The Straits Times, Singapore: World's sperm are in trouble (3.2017)

      90% der Spermien eines typischen jungen Mannes sind deformiert, manchmal mit 2 Köpfen oder 2 Schwänzen. Sie sollen in der Samenflüssigkeit zum Ei schwimmen, um es zu befruchten, aber sie tun dies sehr langsam und ohne Orientierung. Und die Zahl der Spermien hat in den letzten 75 Jahren rapide abgenommen. Deutlicher sichtbar sind andere Schäden: mehr Hodenkrebs, Hodenhochstand und angeborene Deformation des Penis.
      Nach der Befruchtung wird in der Gebärmutter entschieden: Junge oder Mädchen. Wird dieser Entscheidungsprozess gestört, wird die Sexualität (Organe, Hormone usw.) des Jungen geschädigt.
      Ursache der Gesundheitsschäden: hormonstörende Chemikalien!

    • greenmedinfo: Are Toxic Chemicals Turning Boys Into Girls? (3.2017)

      Früher (bis 1950) lag das Verhältnis von neugeborenen Jungen zu Mädchen bei 106:100. Seit 1970 gibt es einen Trend, dass der männliche Anteil stetig abnimmt. Das hat Gründe: Hormonstörer sabotieren die Entwicklung eines männlichen Fötus.

      Das Geschlecht des Kindes wird in 3 Punkten entschieden:
      (1) die Gene, also die Chromosomen XY bei Jungen und XX bei Mädchen,
      (2) die Hormone, also Testosteron (männlich) und Östrogen (weiblich) und
      (3) die Sexualorgane ‒ Penis, Hoden und Prostata bei Jungen, Vagina, Eierstock und Gebärmutter bei Mädchen.
      Im Ideallfall stimmen die Merkmale in allen 3 Punkten überein und ergeben ein eindeutiges Geschlecht.

      Die Ausbildung der Sexualorgane geschieht im 2. Schwangerschaftsmonat und wird hormonell gesteuert. Soll es ‒ wegen des Y-Chromosoms ‒ ein Junge werden, dann wird das am Tag 51 der Schwangerschaft signalisiert: die schon begonnene Ausbildung weiblicher Sexualorgane wird gestoppt, männliche Sexualorgane entstehen. Die für die Bildung der Organe notwendige Zellteilung geschieht bei den Sexualorganen schneller als bei anderen Organen und ist deshalb leichter verwundbar, z.B. durch hormonstörende Chemikalien.

    • Tegan S. Horan, Alyssa Marre, Terry Hassold, Crystal Lawson, Patricia A. Hunt:
      Germline and reproductive tract effects intensify in male mice with successive generations of estrogenic exposure (20.7.2017)

      (Tierversuch, Mäuse) Erhalten männliche Mäuse Ethinylestradiol, ein synthetischen Sexualhormon, das in Antibabypillen enthalten ist, dann führt das zu Entwicklungsproblemen im Fortpflanzungstrakt und damit zu einer Verringerung der Spermienzahl.

      Männer können über kontaminiertes Trinkwasser und andere Quellen mit Antibabypillen in Kontakt kommen. Hormonell wirksame Chemikalien sind allgegenwärtig und kommen in allen Lebensmitteln, Trinkwasser, Haushaltswaren, Körperpflegeprodukten, Reinigungsmitteln, antihaftbeschichteten Kochgeschirren und Kunststoffen vor.

    • Hagai Levine, Niels Jørgensen, Anderson Martino-Andrade, Jaime Mendiola, Dan Weksler-Derri, Irina Mindlis, Rachel Pinotti und Shanna H. Swan:
      Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis, auch hier (25.7.2017)

      Kommentare:

      Die Zahl der Spermien hat in 38 Jahren dramatisch abgenommen - auf weniger als die Hälfte. Das ist nicht nur schlecht für die Fruchtbarkeit des Mannes, sondern auch für seine sonstige Gesundheit. Ursache könnte Giftbelastung für den männlichen Embryo während der Schwangerschaft und für den sich entwickelnden Knaben sein. Es gibt auch Zusammenhänge zu Stress und Fettleibigkeit des Mannes; genauer zu untersuchen wäre: werden Stress und Fettleibigkeit durch die gleichen Hormonstörer verursacht, die auch die männliche Fruchtbarkeit schädigen, und/oder sind sie Ursache einer geschädigten männlichen Fruchtbarkeit.

    • Perheentupa, Antti: Male infertility and environmental factors (2017)

      Die Spermienqualität bei Männern nimmt ab. Zahlreiche Chemikalien wirken als hormonstörende Substanzen, und ihre schädlichen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die Spermien-Produktion wurden in Studien mit Nagetieren nachgewiesen. Es ist schwierig, die Folgen für den Menschen zu untersuchen, denn sie zeigen sich erst 2 Jahrzehnte später.

    • Jayasena CN, Radia UK, Figueiredo M, Revill LF, Dimakopoulou A, Osagie M, Vessey W, Regan L, Rai R, Dhillo WS:
      Reduced Testicular Steroidogenesis and Increased Semen Oxidative Stress in Male Partners as Novel Markers of Recurrent Miscarriage, auch hier (1.2019)
      Spiegel-Kommentar: Hängen Spermienqualität und Fehlgeburten zusammen?

      Fehlgeburten können durch hormonelle Störung der Reproduktionsfunktionen (d.h. der Sexualorgane) beim Mann, durch Schädigung der Spermien durch oxidativen Stress und durch die Fragmentierung der Spermien-DNA verursacht werden.

    • R. Rahban, L. Priskorn, A. Senn, E. Stettler, F. Galli, J. Vargas, M. Van den Bergh, A. Fusconi, R. Garlantezec, T. K. Jensen, L. Multigner, N. E. Skakkebæk, M. Germond, N. Jørgensen, S. Nef, the NICER Working Group:
      Semen quality of young men in Switzerland: a nationwide cross-sectional population-based study, auch hier (5.2019)
      Kommentar: Spermienqualität von Schweizer Männern ist besorgniserregend

      Bei 6 von 10 jungen Männern erreicht der Samen die Normwerte für Anzahl und Beweglichkeit der Spermien nicht. 17% der Männer sind an der Grenze zur Unfruchtbarkeit.

    • Joachim Mutter, Peter Hensinger: Rückgang der Spermienqualität: Umweltmedizinische Ursachen (2019)

      Mindestens 15 % aller Paare bleiben ungewollt kinderlos. Auch bei künstlicher Befruchtung bleibt der Erfolg meistens aus. In 30–50 % der Fälle sind Zahl und Qualität der Spermien das Problem. Folgende Umweltfaktoren tragen dazu bei: Schwermetall- und Arsenbelastungen, Glyphosat und Pestizide in der Landwirtschaft, Bisphenyl A und Elektrosmog.

    • Shanna H. Swan, Stacey Colino:
      Count Down: How Our Modern World Is Threatening Sperm Counts, Altering Male and Female Reproductive Development, and Imperiling the Future of the Human Race (Buch erschienen 23.2.2021)

      Shanna Swan:
      Webseite
      Reproductive Problems in Both Men and Women Are Rising at an Alarming Rate (16.3.2021)
      A Global Fertility Crisis (Video, 12.10.2021)

      Kommentar von Erin Brockovich, Suzanne Boothby (The Guardian):
      Plummeting sperm counts, shrinking penises: toxic chemicals threaten humanity (3.2021)

      Ein neues Buch ‒ Countdown von Shanna Swan, einer Umwelt- und Reproduktionsepidemiologin an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Krankenhaus in New York ‒ zeigt, dass die Spermienzahl seit 1973 um fast 60 % gesunken ist. Aktuell sinkt die Fortpflanzungsfähigkeit um 1 % pro Jahr. Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, könnte die Zahl der Spermien bis 2045 auf Null sinken. Null. Das würde bedeuten: keine Babys, keine Fortpflanzung, keine Menschen mehr. Warum beruft die UNO nicht sofort eine Krisensitzung zu diesem Thema ein?

      Die Chemikalien, die für diese Krise verantwortlich sind, finden sich in Plastikbehältern und Lebensmittelverpackungen, in wasserfester Kleidung, in Duftstoffen von Reinigungsmitteln, in Seifen und Shampoos, in Elektronik und Teppichböden. Phthalate, Bisphenol A (BPA) und Flammschutzmittel sind die schlimmsten Chemikalien für die reproduktive Gesundheit. PFAS sind als Ewigkeits-Chemikalien bekannt, weil sie sich in der Umwelt oder im menschlichen Körper nicht abbauen. Sie reichern sich einfach an und richten immer mehr Schaden an.

    • Zentrum der Gesundheit: Ursache für männliche Unfruchtbarkeit
  • Frühzeitige Pubertät eines Jungen
    wird mit später auftretenden Symptomen wie Reizdarm, Arthritis, Glaukom, Schuppenflechte, Krebs, Typ-2-Diabetes, Herzkrankheiten, Depressionen und Verhaltensstörungen in Verbindung gebracht.
  • Weniger männliches Verhalten;
  • höhere Sterblichkeit durch verringertes Testosteron;
  • Feminisierung (Verweiblichung) durch Störung des Hormonhaushalts von männlichen Föten und Kindern; Entwicklung von weiblichen (sekundären) Geschlechtsmerkmalen. Beispiele:
    • Menschen, die biologisch als männlich einzustufen sind, entwickeln weibliche Merkmale und empfinden sich als weiblich. In der Folge können operative Geschlechtsumwandlungen notwendig werden.
    • Bei zu viel Östrogen und zu wenig Testosteron kann es zu unnatürlichem Brustwachstum kommen.
Hinweis: Die ‒ bei Männern und Frauen unterschiedlichen ‒ Sexualhormone können bewirken, dass Umweltgifte in unterschiedlicher Weise auf Männer und Frauen einwirken und sie schädigen.

 

6.2 Neurologie, Psychiatrie

Symptome von neurologischen Schäden, die üblicherweise der Psychosomatik oder der Psychiatrie zugerechnet und ggf. dort behandelt werden, sind

  • Intelligenzverlust (geringerer IQ) bis hin zur geistigen Behinderung und zum Schwachsinn,
  • Autismus (ASD),
  • Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung (ADHD),
  • Stimmungsschwankungen,
  • Verhaltensstörungen.

Weitere Informationen:

 

6.3 Schilddrüsenprobleme

Einige weit verbreitete Chemikalien greifen bevorzugt die Schilddrüse an. Die Schilddrüsenhormone der Mutter sind wichtig für die normale Gehirnentwicklung in Fötus und Kleinkind. Sobald die Hormonstörer die Rezeptoren im Gehirn besetzen, ist die normale Gehirnentwicklung gestört; Synapsen werden nicht gebildet. Schon eine geringe Gift-Belastung in der Schwangerschaft kann die kognitive Entwicklung der Nachkommen negativ beeinflussen.

Die chronische Erschöpfung (CFS) kann durch eine Unterfunktion der Schilddrüse (mit-)verursacht werden.

 

6.4 Probleme mit den Nebennieren

Jeder Mensch hat zwei Nebennieren, die aus Nebennierenrinde und -mark bestehen. Sie produzieren etwa 40 verschiedene Hormone: die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, auch Aldosteron (reguliert den Blutdruck) und die Androgene (männliche Hormone, wie z.B. Testosteron und DHEA). Die Nebennierenrinde agiert dabei nicht eigenständig. Sie wird von den Hormondrüsen im Gehirn (Hypophyse und Hypothalamus) gesteuert, wann sie wie viel von welchem Hormon bilden soll. Möglich ist eine Über- oder Unterfunktion der Nebennieren.

 

6.5 Metabole Disruptoren schädigen das Stoffwechselsystem

Metabole Disruptoren arbeiten, ebenso wie endokrine Disruptoren (Hormonstörer), an Rezeptoren: sie besetzen und blockieren die Rezeptoren und schädigen deren natürliche Stoffwechsel-Funktion. Chemikalien wie Bisphenol A, PFC, Phthalate, DDT, PCB, Fungizide und Tributylzinn schädigen den Energie- und Fett-Stoffwechsel. Besonders kritisch ist die Giftbelastung im Zeitraum zwischen der Entwicklung im Mutterleib und der frühen Kindheit. Durch Schädigung der Hormone, die den Stoffwechsel steuern, entsteht krankhaftes Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Erwachsenen. Krankhaft bedeutet: die Fettleibigkeit entsteht, auch wenn die Menschen dieselbe Kalorienmenge wie nicht geschädigte Menschen aufnehmen.

Ergebnis: das metabolische Syndrom, also Fettleibigkeit (Bauchfett, Adipositas), Insulin-Resistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung (Fettleber, Cholesterin).

 

6.6 weitere Gesundheitsschäden

Weitere Gesundheitsschäden können durch Hormonstörer verursacht werden:

  • z.B. Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, chronische Entzündungen, Autoimmunkrankheiten
  • Krebs, z.B. Brustkrebs durch synthetische Östrogene, Prostatakrebs, Uterus- und Schilddrüsen-Karzinome.
    Diese Schäden werden auch bei Jugendlichen beobachtet, die als Kleinkinder hormonwirksamen Substanzen ausgesetzt waren.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

 

7. Empfehlungen

Die Einwirkung von Chemikalien überall zu verhindern ist kaum möglich. Aber es lohnt sich, Überlegungen anzustellen, welche Chemikalien in welchen alltäglichen Lebenssituationen gemieden werden sollten.

  • Leonardo Trasande ist Autor des Buchs Sicker - Fatter - Poorer. In dem Beitrag Avoiding Endocrine-Disrupting Chemicals: 5 Tips (7.2.2020) gibt er 5 Tipps, wie man Hormonstörer meidet:
    1. Vorsicht bei bestimmten Kochgeschirren ‒ Pfannen mit Antihaftbeschichtung enthalten Perfluoralkylsubstanzen (PFAS), also Chemikalien, die den Stoffwechsel verlangsamen und eine Gewichtszunahme verursachen. Gusseisen und Edelstahl sind gute Alternativen. Verwenden Sie Glas für die Aufbewahrung Ihrer Lebensmittel und wiederverwendbare Taschen zu Hause und für den Transport von Lebensmitteln aus dem Supermarkt.
    2. Bekämpfen Sie die Umweltverschmutzung in Innenräumen! Flammschutzmittel, die in Matratzen, Teppichen, Möbeln und Elektronikgeräten verwendet werden, reichern sich im Hausstaub an und beeinträchtigen die Schilddrüse. Öffnen Sie die Fenster und verwenden Sie einen feuchten Wischmopp, um sie zu reduzieren. Prüfen Sie, ob Ihren Polstermöbeln Flammschutzmittel zugesetzt wurden.
    3. Essen Sie Bio und keine Konserven. Bio-Lebensmittel sind frei von gentechnisch veränderten Organismen und Pestiziden, die die Schilddrüse schädigen, die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen und Krebs verursachen können. Wählen Sie Fleisch und Milchprodukte von natürlich ernährten und artgerecht gehaltenen Tieren.

      Lebensmittelkonserven können Bisphenole enthalten, die Östrogene sind und Fettzellen vergrößern. Sie verbleiben in der Umwelt, verdoppeln das Risiko für Typ-2-Diabetes und sind wahrscheinlich giftig für Embryonen. Verwenden Sie keine Pestizide auf Ihrem Rasen und ziehen Sie die Schuhe aus, wenn Sie Ihr Haus betreten.

    4. Verzichten Sie auf die Mikrowelle und meiden Sie verpackte Lebensmittel. Das Etikett mikrowellensicher ist irreführend, da von den Kunststoffen mikroskopisch kleine Polymere in die Lebensmittel gelangen. Verarbeitete und verpackte Lebensmittel enthalten Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt, künstliche Süßstoffe, Pestizide und andere Adipositas-Verursacher. Phthalate in Lebensmittelverpackungen und Transportbehältern können den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beeinträchtigen und zu Fettleibigkeit führen.
    5. Vermeiden Sie Vinyl und Plastik. Verwenden Sie einen Duschvorhang aus Stoff, der in der Maschine gewaschen werden kann. Diese bleiben sauberer und halten länger als Vinyl. Ersetzen Sie Gepäckstücke und Rucksäcke durch Produkte aus organischem Mischgewebe.

 

8. Gesundheitspolitik

Der bedenkenlose Einsatz hormonstörender Substanzen verursacht in der EU - neben dem menschlichen Leid - einen ökonomischen Schaden von jährlich hunderten Milliarden €.

Leider stehen deutsche und EU-Regulierungsbehörden unter starkem Einfluss der Gift-Produzenten, so dass eher mit einer Verschlimmerung der Situation zu rechnen ist. Mühelos beeinflussen (d.h. kaufen) die Gift-Produzenten mit ihren hohen Gewinnen Wissenschaftler, deren Studien und die Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften, Gesundheitsbehörden und politische Entscheider und damit alle wissenschaftlichen und politischen Entscheidungsprozesse.

Sobald den Entscheidern in Politik und Regulierungsbehörden in einer wissenschaftlichen Studie die hohen Gefahren der hormonstörenden Stoffe aufgezeigt werden, wird von der Gegenseite, der giftproduzierenden Industrie, eine Gegenstudie präsentiert mit dem Ziel, eine für die Industrie nachteilige Entscheidung um Jahre hinauszuschieben oder endgültig zu verhindern; Beispiel: Glyphosat, Report gekaufte Wissenschaft.

Die Zulassung von Umweltgiften beruht auf Studien, die geheim sind und nicht veröffentlicht werden müssen. Die wissenschaftliche Öffentlichkeit kann nicht beurteilen, ob der Hersteller die Daten korrekt ausgewertet hat und darstellt und ob die Zulassung zu Recht erfolgt. Die Zulassungsbehörden verlassen sich generell ohne nähere Prüfung auf die Korrektheit der Daten. Die Politik hat dieses System geschaffen: dass Studien geheim gehalten werden dürfen und es dadurch möglich ist, über Jahrzehnte hinweg faule, falsch ausgewertete Studien im Umlauf zu halten, die immer wieder als Beweis dafür herangezogen werden, dass ein Stoff ungefährlich ist. (aus dem Bericht über den Chemiker Helmut Burtscher und sein Buch Die Akte Glyphosat: 'Es ist wissenschaftlicher Betrug', 8.2017)

Studien und weitere Informationen

  • Leonardo Trasande, Yinghua Liu:
    Reducing the staggering costs of environmental disease in children, estimated at $76.6 billion in 2008, auch hier (5.2011)

    In dieser Studie werden die Kosten wegen umweltbedingter Krankheiten bei US-Kindern berechnet. Eine Analyse aus dem Jahr 2002 hatte 54,9 Milliarden US-$ genannt. Jetzt werden 76,6 Milliarden US-$ für das Jahr 2008 errechnet. Es geht um Krebs im Kindesalter, Asthma, geistige Behinderung, Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch um Fettleibigkeit durch Hormonstörer. Besonders hohe Gesundheitsschäden entstehen durch Bleivergiftungen (aus bleihaltigen Farben) und durch vorgeburtliche Giftbelastung mit Methylquecksilber (aus Kohlekraftwerken). Es gibt zu wenige politische Maßnahmen, um diesen Zustand zu verbessern.

  • Emily S Bartlett, Leonardo Trasande:
    Economic impacts of environmentally attributable childhood health outcomes in the European Union (2.2014)

    Industriechemikalien verursachen Kinderkrankheiten. Die damit verbundenen hohen Kosten, verursacht durch Blei und Methylquecksilber, werden hier erstmals für die EU berechnet. Die Kosten für Entwicklungsstörungen, Asthma und Krebs betrugen im Jahr 2008 rund 71 Milliarden US-Dollar oder 0,48 % des Bruttoinlandsprodukts.

  • Leonardo Trasande, R Thomas Zoeller, Ulla Hass, Andreas Kortenkamp, Philippe Grandjean, John Peterson Myers, Joseph DiGangi, Martine Bellanger, Russ Hauser, Juliette Legler, Niels E Skakkebaek, Jerrold J Heindel:
    Estimating burden and disease costs of exposure to endocrine-disrupting chemicals in the European union, auch hier (4.2015).

    Die Belastung durch hormonstörende Substanzen verursacht in der EU lebenslang Krankheiten und hunderte Milliarden Euro Kosten pro Jahr. Dabei wurden nur die schlimmsten Hormonstörer berücksichtigt; eine gründlichere Analyse hätte zu mehr Krankheiten und höheren Kosten geführt.

  • Michele A La Merrille: The economic legacy of endocrine-disrupting chemicals (10.2016); Kommentar

    Die Belastung durch hormonstörende Substanzen verursacht in den USA Kosten von jährlich 310 Milliarden Euro oder 2 % des Bruttosozialprodukts.

  • CCRM Fertility (USA)

    Gesundheitsschäden bei der Fruchtbarkeit von Frauen und Männern ermöglichen dem Unternehmen ein Geschäftsmodell mit dem Inhalt, dass diese Schäden diagnostiziert und wenn möglich kompensiert werden. Da die Diagnostik nur den Schaden feststellt, aber nicht Ursache und Urheber benennen kann, müssen die Geschädigten den Schaden selbst tragen. Damit den Eltern in spe ihr Kinderwunsch erfüllt wird, gehen sie hohe Risiken für die Gesundheit ihrer Nachkommen ein.

  • Siehe auch Korruption in der Medizin
    Es geht bei der Giftbelastung nicht nur um hohe, vermeidbare Kosten, sondern auch um hohe Gewinne der Gift-Produzenten, -händler und -nutzer.

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