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Quecksilber und Wissenschaft

Seit der Antike gilt Quecksilber als geheimnisvolle Substanz mit interessanten therapeutischen Wirkungen. Aber in den letzten Jahrzehnten wurde wissenschaftlich aufgedeckt, wie gefährlich Quecksilber für alle Lebewesen und speziell für den Menschen ist.

Das ist der Stand der Wissenschaft:

  • Quecksilber ist ein Speichergift. Es sammelt sich in allen lebenden Organismen einschließlich dem Menschen an und wird deshalb (fast) nicht ausgeschieden, was einer extrem langen Halbwertszeit (Gehirn: 20-30 Jahre) des aufgenommenen Quecksilbers entspricht. Dieser Sachverhalt wird auch durch den Begriff "Retention" ausgedrückt. Im Umwelt-Zusammenhang spricht man von "Bio-Akkumulation".
  • Die Quecksilberbelastung des Menschen stammt weit überwiegend aus Amalgamfüllungen, nicht aus der Umwelt, dem Verzehr von Fisch oder anderen Nahrungsmitteln [2].
  • Quecksilber wirkt zelltoxisch und kann deshalb eine Vielzahl von unspezifischen Krankheitssymptomen auslösen.
  • Quecksilber wirkt neurotoxisch und kann deshalb eine Vielzahl von neurologischen bzw. neurodegenerativen Krankheiten verursachen. Alle Dokumente, die die Grundlage für umweltpolitische Entscheidungen gegen Quecksilber liefern, nennen als Hauptgrund die Neurotoxizität [1].
  • Die wichtigsten Ziele des aufgenommenen Quecksilbers sind das zentrale Nervensystem (ZNS), das Immunsystem sowie weitere Organe.
  • Quecksilber und seine Verbindungen sind lipophil und verweilen deshalb in hydrophiler Umgebung nur kurz. Die Quecksilberkonzentration in Blut, Urin und anderen hydrophilen Umgebungen steht in keinem Zusammenhang mit der Quecksilberkonzentration in den Organen und sagt deshalb nichts aus über den gesundheitlichen Zustand bei Verdacht auf chronische Vergiftung. Problematisch ist die Ansammlung von Quecksilber in fettreichen Umgebungen, etwa in den Membranen der Nervenzellen und Mitochondrien des Gehirns.

    hydrophil: Wasser liebend, wasserlöslich; lipophil: Fett liebend, fettlöslich.

  • Es gibt bei der Ausscheidung von Quecksilber aus dem Körper enorme interindividuelle Unterschiede, die von der genetisch-enzymatischen Austattung des Menschen, aber auch von seinem allgemeinen Gesundheits­zustand (Übersäuerung, chronische Entzündungen, Darmpilze) abhängen. Die Messung der Ausscheidung liefert keine Information über die in den Organen zurückgehaltene Gift-Menge. Deshalb kann die Queck­silber-Ausscheidung nur im Kontext der Exposition und der Verarbeitung im Körper für eine Beurteilung des Gesundheitszustandes herangezogen werden. Allgemein gilt bei vorliegender Exposition:

    Wer wenig Gift ausscheidet, wird krank; wer aber viel Gift ausscheidet, hat eher die Chance, gesund zu bleiben.

Diese Erkenntnisse stammen aus den Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) und werden teilweise in der Umwelt­politik berücksichtigt, was aber den Patienten wenig nützt. Die Humanmedizin hat sich hingegen ein eigenes Modell errichtet, das auf folgenden unzutreffenden Annahmen beruht.

Das glauben Schulmediziner:

  • Die toxische Belastung durch Quecksilber aus Amalgamfüllungen und Impfstoffen ist so gering, dass dadurch grundsätzlich keine Gesundheitsschäden entstehen können.

    Kommentar: Diese Vermutung wird von Anhängern der Schulmedizin gerne geäußert, sei es in populärwissenschaftlichen oder fachlichen Texten. In den schulmedzinisch anerkannten Studien wird die Expositionshöhe allerdings gar nicht gemessen und spielt bei der Bewertung der Toxizität keine Rolle; der angebliche Nachweis der Unbedenklichkeit von Amalgamfüllungen wird stattdessen mit statistischen Methoden geführt, wobei jedoch die toxikologischen Eigenschaften ignoriert werden.

  • Die Quecksilberbelastung des Menschen stammt vor allem aus dem Verzehr von Fisch.

    Kommentar: Die Nachweise [2] zeigen eindeutig die Spitzenstellung der Amalgamfüllungen.

  • Quecksilber wird nicht (oder kaum bzw. nur kurzzeitig) im Körper gespeichert, sondern ganz normal - nach Verstoffwechselung - ausgeschieden.

    Kommentar: Dieses Denkmuster wird von den akuten Vergiftungsfällen übernommen. Die Speicherung bzw. Retention wird in einer Vielzahl von Studien thematisiert und ist typisch für chronisch wirksame Gifte.

  • Urin- und Blutuntersuchungen sind für den Nachweis einer chronischen Quecksilbervergiftung geeignet. Wer viel Quecksilber im Blut hat bzw. im Urin ausscheidet, könnte deshalb krank geworden sein. Deshalb wurden Grenzwerte für Quecksilber in Blut und Urin festgelegt - auch im Rahmen des Human Biomonitoring (HBM) [4].

    Kommentar: Das enspricht dem üblichen schulmedizinischen Denkschema: alle - auch die nicht unmittelbar sichtbaren - körperlichen Erkrankungen spiegeln sich in den Blutwerten wieder. Wird hier nichts gefunden, gilt der Patient als organisch gesund. Führen Therapieversuche, die auf dieser falschen Denkweise basieren, zu keinem Ergebnis, gilt der Patient irgendwann als austherapiert und der Schulmediziner vermutet, dass eine psychische Erkrankung vorliegen muss, deren Ursache natürlich nicht nachweisbar ist ‒ weder per Labor noch mit anderen Mitteln. Sind die körperlichen Symptome unübersehbar, liefert das Denkschema der Psychosomatik scheinbar die Ursache der Symptome: psychische Ursache - körperliche Wirkung. Diese Position ist angesichts der Neurotoxizität von Quecksilber besonders problematisch, weil die Neurotoxizität natürlich auch zu psychischen Symptomen führen kann.

  • Quecksilber ist nicht neurotoxisch ‒ eine Giftwirkung auf das zentrale und das periphere Nervensystem ist nicht bekannt. Deshalb gilt eine darauf ausgerichtete Diagnostik und Therapie als überflüssig, ungeeignet oder gar schädlich.

    Beleg: In der Informationsschrift Amalgame in der zahnärztlichen Therapie beantwortet das BfArM hinsichtlich des aus Amalgamfüllungen austretenden Quecksilberdampfs die Frage Kann durch Amalgamfüllungen eine chronische Quecksilbervergiftung hervorgerufen werden? so:

    Nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Kenntnisstand besteht kein begründeter Verdacht dafür, dass ordnungsgemäß gelegte Amalgamfüllungen negative Auswirkungen auf die Gesundheit des zahnärztlichen Patienten haben. Ausnahmen sind die selten auftretenden lokalen Reaktionen in der Mundhöhle sowie die sehr seltenen Fälle allergischer Reaktionen.

    Also: keine neurotoxischen Wirkungen des Quecksilberdampfs, der aus Amalgamfüllungen austritt.

  • Pathologische Wirkungen von Quecksilber auf das Immunsystem können mittels des Epikutantests nachgewiesen werden.

    Kommentar: Die zahlreichen Hinweise, dass mit diesem Test häufig falsch-negative Resultate erzielt werden, werden ignoriert.

Die Ignoranz der Medizin gegenüber dem Stand der Wissenschaft macht Quecksilber (und alle chronischen Gifte) besonders gefährlich: Patienten werden in Unkenntnis gehalten und bekommen keine korrekte Diagnose und keine angemessene Therapie; im Bewusstsein vieler Menschen existiert die Quecksilber­vergiftung nicht als reale Gefahr, was die Verharmlosung und Irreführung erleichtert. Wenn (neurologische) Krankheits­symptome nicht zu übersehen sind, kennt die Neurologie einen eleganten Ausweg: die Psychiatrisierung.

... Warum?

Manchem mag es rätselhaft erscheinen, warum sich falsche Ansichten so hartnäckig halten, zumal diese überwiegend in soliden wissenschaftlichen Studien widerlegt sind. Versuch einer Erklärung:

  • Schulmediziner haben ganz allgemein ein großes Problem, sich mit chronischen Giften als Krankheits­ursache zu befassen.
  • Die Zahnmediziner [...] halten sich für kompetent, obwohl ihnen qua reduzierter allgemeinmedizinischer Ausbildung das theoretische Basiswissen als Rüstzeug zur Einschätzung der allgemeinmedizinischen Folgen fehlt. Auch eine wirkliche toxikologische und immunologische Ausbildung spielt im Studium deutscher Zahnärzte keine Rolle. So steht wiederum im Weißbuch der Deutschen Zahnmedizin (2007): 'Auch im internationalen Vergleich wird die deutsche zahnmedizinische Wissenschaft vom Wissenschaftsrat eher nachrangig beurteilt.' [3]
  • In der Schulmedizin findet man sich damit ab, dass die Ursache einer chronischen Erkrankung unbekannt bleibt - beliebte Ausrede: Man weiß es nicht. Deshalb wird im ärztlichen Alltag erst gar nicht nach der Ursache gesucht. Ursachensuche würde fundierte umweltmedizinische Kenntnisse voraussetzen, die in der universitären Ausbildung nicht vermittelt werden. Zudem wird aufwändige Ursachensuche nicht von den Krankenkassen bezahlt.

    Bei Verdacht auf chronische Quecksilbervergiftung muss jedoch die Erkennung der Ursache im Vordergrund stehen, damit wenigstens die Exposition beendet wird. Die in der Medizin übliche Behandlung der Symptome mit Medikamenten scheitert hier.

  • Auch bei so weit verbreiteten Krankheiten wie Migräne, Multiple Sklerose, Autismus, Alzheimer, Krebs, Diabetes Typ I, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es keine Ursachensuche und deshalb weder Prophylaxe noch Heilung, allenfalls - wie bei Krebs - Früherkennung. Als Erklärung für die Entstehung der Krankheit wird gerne auf Allgemeinplätze (Nichtausheilung früherer Infektionskrankheiten, familiäre Veranlagung, Psychosomatik, psychischer Stress, das Alter des Patienten) verwiesen, die weder nachgewiesen noch widerlegt werden können und die nichts zur Heilung beitragen.
  • Das - eigentlich berechtigte - Interesse des Arztes an einer angemessenen Entlohnung darf nicht über­sehen werden. Aber der behandelnde Arzt wird nicht für den Erfolg, sondern für seinen (Zeit-)Aufwand bezahlt. Es kommt nicht darauf an, dass der Arzt heilt, sondern dass er die richtige Methode - lege artis - anwendet. Dadurch wird das Interesse des Arztes an einer erfolgreichen Genesung reduziert. Gesunde brauchen keinen Arzt.
  • Es gibt Beispiele, dass sich - letztlich unzutreffende - Dogmen in der Ärzteschaft jahrzehntelang oder gar jahrhundertelang bis heute haben halten können, wie etwa die Regel des Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. Es gibt keinen Nachweis, dass diese Theorie allgemein gültig ist.
  • Umweltmedizinische Diagnostik und Ursachensuche sind aufwändig und setzen einen hohen Ausbildungs­stand voraus. Die universitäre Ausbildung des Arztes klammert umweltmedizinische Inhalte jedoch weit­gehend aus. Krankenkassen und Rentenversicherungen lehnen die Kostenerstattung umweltmedizinischer Behandlung weitgehend ab.
  • Finanzielle Beeinflussung (Korruption) spielt im medizinisch-industriellen Komplex leider eine große Rolle. Gesundheits­politische Entscheider haben meistens enge Verknüpfungen zur pharmazeutischen und chemi­schen Industrie. Diese versucht, alles zu vermeiden oder zu verhindern, was dem Absatz ihrer Produkte schaden könnte. Die chemische Industrie will viele Chemikalien verkaufen, und die pharmazeutische Industrie will viele, teure Medikamente verkaufen. Für die Blockade medizinischer Erkenntnis verfügt die Industrie über hohe finanzielle Mittel; Wissenschaftsfälschung ist weit verbreitet.

[1] Die US-amerikanische ATSDR schreibt 1999 im Toxikologischen Profil für Quecksilber, Kapitel 2.2.1.4:
"Das zentrale Nervensystem ist wahrscheinlich das empfindlichste Ziel-Organ für die Belastung mit metallischem Quecksilberdampf. Störungen des Nervensystems nach Quecksilberdampf-Exposition sind sowohl beständig als auch ausgeprägt. Belastungen von akuter, mittlerer oder permanenter Dauer lösen ähnliche neurologische Effekte aus. Die Symptome werden stärker oder irreversibel, wenn die Dauer und/oder die Konzentration der Belastung zunimmt."

[2] Das International Programme on Chemical Safety (IPCS), ein Gemeinschaftsprojekt von UNEP, ILO und WHO, hat Studien mit Tabellen veröffentlicht, in denen die Quecksilberbelastung aus verschiedenen Quellen verglichen wird:

Darin wird deutlich, dass Quecksilberdampf aus Amalgamfüllungen die mit Abstand höchste Quecksilber­belastung des Menschen darstellt. Auch in der EU-Umweltpolitik ist diese Meinung vorherrschend:

  • Gemeinschaftsstrategie für Quecksilber (2005):
    In Industrieländern ist die Hauptquelle der Quecksilberexposition die Einatmung von Quecksilberdampf aus zahnmedizinischem Amalgam.
  • Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR):
    The safety of dental amalgam and alternative dental restoration materials for patients and users, Kapitel 3.3.5, Table 1 (2008)
    Hier wird die Tabelle aus den "Environmental Health Criteria 118" von 1991 wiederholt und bestätigt.
    In der nachfolgenden Tabelle 2 wird ein statistischer Zusammenhang zwischen Quecksilberdampf-Exposition aus Amalgamfüllungen und Quecksilberkonzentration im Urin suggeriert. Dafür wird keine Quelle genannt; dieser Zusammenhang ist vermutlich frei erfunden.

[3] entnommen aus der Gemeinsamen Erklärung der Umweltmedizinischen Verbände (umg 1/2010)

[4] Reinhard Lauer: Kurz-Vortrag auf der Konferenz über HBM am 27.1.2009 in Bonn

Weitere Informationen und Denkanstöße, speziell zu Amalgam:

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